Meine Tochter sagte mir: „Papa, wenn Du in den USA bist, dann musst Du jeden Tag was neues ausprobieren“. Gut, jeden Tag ist nicht so einfach, aber immer wenn sich mir eine Möglichkeit bietet, dann nehme ich sie auch an… meistens…

Recht am Anfang meiner Reise sah ich verschiedene Schießstände. Manchmal direkt an der Straße. Ich habe Menschen getroffen, die mit Waffen umgehen, als wäre es nichts weiter. Einer fragte mich mal, ob alles ok wäre, als ich einen Schlauch flickte, und als ich in seinen Wagen sah, lag ein Gewehr auf seinem Beifahrersitz. Und der Mensch schien auch Radfahrer zu sein und war gerade einkaufen… zumindest sah es für mich so aus… ich traf einen sehr netten Jäger auf einem Campingplatz, der aus Bärengründen eine Pistole trug. Der Mann war total normal und lud mich zum Abendessen am Feuer ein und wir schwatzten eine ganze Weile… Und irgendwann war bei mir der Gedanke geboren, dass ich das vielleicht zumindest mal probieren sollte…

Und so waren wir heute zu einem Schießtraining. Alles mal ausprobieren… Es war ein sehr komisches Gefühl. Eine Waffe in die Hand nehmen… sehr eigenartig. Es war uns erlaubt, mit Gewehren zu schießen. Ein Pistolentraining war bzw. ist für Menschen ohne Waffenschein in New York State nicht erlaubt. So nahmen wir ein 9mm Gewehr. Das Ding sieht aus wie aus Plastik, ist aber aus Metal und viel schwerer als es ausshieht. Wir bekamen eine intensive Sicherheitsunterweisung (5 bis 10min) und wie es funktioniert. Es ist erschreckend wie einfach Schießen ist und wie leicht es geht. Auch ohne Übung mit nur ein paar Minuten Erläuterung ist es möglich so ein gefährliches Ding leicht und einfach zu bedienen. Ich finde das sehr gruselig. Und ich habe sogar die Zielscheibe getroffen. Zwar hatten wir die Zielscheibe nicht bis ganz hinten gehängt aber dreiviertel der Bahn war sie schon weg und ich traf ziemlich genau…

Danach nahmen wir noch eine Pumpgun… das ist nun gar nichts für mich. Der Rückstoß ist bedeutend stärker als bei dem anderen Gewehr… Auch zielen ist da nicht ganz so wichtig (sagte uns der Trainer)… und das merkten wir auch… die Zielscheibe war ganz schön zerledert danach. Ich hab auch nur ein paar Mal probiert und „meine“ Restschüsse nicht aufgebraucht.

Einer der Leute im Geschäft erklärte uns, dass er auch nicht so genau wisse, warum das Pistolentraining nur für Waffenscheinbesitzer erlaubt ist. Aber er nahm an, dass es folgende Gründe hat: die meisten Straftaten mit Waffen werden mit Pistolen verübt und eine solche Handfeuerwaffe kann man sehr leicht versteckt mitnehmen. Das ist mit so einem Gewehr nicht so leicht möglich. Das mit der „versteckten“ Mitnahme war auch meine Vermutung… es klingt jedenfalls plausibel…

Viele der Menschen, die ich hier getroffen habe, sind der Meinung, dass das mit den Gewehren hier viel zu „lachs“ gehandhabt wird. Und einige erzählten mir auch, dass sie es völlig unnötig finden, dass Waffen hier so leicht zugänglich sind… diese Einschätzung teile ich… trotz meiner Bären.Angst… die sich glücklicherweise eher zu einer Bären.Aufmerksamkeit gewandelt hat… was nicht heißt, dass ich deshalb in Montana oder Wyoming besser geschlafen habe, aber die Angst war nicht mehr so doll… Und ich habe ja mein Bärenspray, wenn es nötig ist… funktioniert auch bei Hunden… und wie sagte mir der Sheriff, der mit nach Gilette mitgenommen hat… Bärenspray ist besser, da dabei keiner stirbt, auch wenn man es bei Menschen „einsetzen muss“…

Leider hat es mit unserem Paddelausflug nicht geklappt, da der Verleih der Boote schon um 17Uhr schließt. Deshalb sind wir noch an einen See gefahren… Und mir war es zu kalt zum Baden…. ;-)… aber wir hatten eine schöne Zeit…

Ein sehr interessanter und erstaunlicher Tag heute.

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